Lügen und betrügen die Autohersteller?

Lügen und betrügen die Autohersteller?


Wer die aktuelle Berichterstattung verfolgt, der muss zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass die Autobranche lügt und betrügt, dass sich die Balken biegen. Doch so ist es in der Realität nicht wirklich, wie unser Faktencheck zeigt:

  1. Die im Rahmen der EU entwickelten und von Deutschland mitgetragenen Immissions-Grenzwerte für NOX (und auch Feinstaub) werden bekanntlich in einigen Innenstadtgebieten seit vielen Jahren erheblich überschritten. Dieser Sachverhalt ist bei den Fachleuten unbestritten. In der Fachwelt gibt es allerdings Bedenken, dass die Kommunen die Immissionen begrenzen sollen, obwohl sie auf die Emissionsquellen keinen direkten Zugriff haben.
  2. Die Immissions-Grenzwerte für NOX und Feinstaub sind das Ergebnis von Beratungen in der EU. Diese Gremienprozesse haben oft Elemente eines Überbietungswettbewerbs. Die heutigen Grenzwerte können aus guten Gründen mit fachlichen Argumenten hinterfragt werden; dies wird bisher hauptsächlich durch ein Vergleich der Grenzwerte für Umgebungsluft mit denen für die Arbeitsumwelt getan. Die Lockerung von Grenzwerten ist aber politisch schwierig und wird oft als Sudelei angesehen.
  3. Die Überschreitungen der Immissionsgrenzwerte für NOX werden vorwiegend von Diesel-Pkw verursacht. Lkw-Motoren sind offenbar technisch besser und werden besser gesteuert und überwacht.
  4. Bei den Emissions-Grenzwerten haben die Pkw-Hersteller jahrelang gemogelt. Der Fachwelt in den Behörden, bei den TÜV und den Herstellern war dies erkennbar bekannt. Die politisch Verantwortlichen haben dies mehr oder weniger genau gewusst und wohl verdrängt.
  5. Die Eigner von Diesel-Pkw mussten in den letzten Monaten erhebliche Verluste des (Wiederverkaufs-) Wertes ihrer Fahrzeuge hinnehmen. Dies entspricht der gesunkenen Nachfrage nach Diesel-Pkw.
  6. NOX-arme Dieselmotoren sind möglich; es gibt Fahrzeuge, die die Emissions-Grenzwerte im Realbetrieb sicher einhalten. Allerdings müssen die Hersteller der Einhaltung der Grenzwerte dann einen Vorrang einräumen, z. B. durch Dimensionierung der Tanks für AdBlue. Ein Beispiel ist der neue BMW 520d. Die Probleme der Grenzwerteinhaltung sind für alle Hersteller technisch gleich. Die jüngste Studie des ADAC hat gezeigt, dass die deutsche Autoindustrie bei der Grenzwertüberschreitung nicht alleine ist.